Wird man nicht verrückt, wenn man so lange schweigt?

Als ich meiner Umwelt von diesen 10 Tagen erzählt habe, kamen immer wieder die gleichen Fragen, die ich euch beantworten möchte:

1. Wird man da nicht verrückt, wenn man 10 Tage nicht spricht und nur meditiert?

Ist man nicht schon etwas verrückt, wenn man sowas macht? Also ich kann euch beruhigen, es ist nicht so schlimm wie ihr denkt. Die Stimme kannst du eine Stunde lang beim gemeinsamen abendlichen Chanting zum Einsatz bringen und zudem sprichst du jeden Tag kurz mit dem Mönch. Nach 10 Tagen weisst du also immernoch wie deine Stimme klingt, auch wenn es etwas befremdlich ist mit fremden Menschen an einem Tisch zu essen und sich nicht zu unterhalten.

2. Und bist du jetzt erleuchtet?

 

Der Buddha in Thailand

Der Buddha in Thailand

Also einen Schein über meinem Kopf konnte ich noch nicht bemerken. Aber ich bin insoweit erleuchtet, als dass die Welt heller erscheint. Ich habe gelernt und festgestellt, dass die Wahrnehmung von Ereignissen nur von mir selbst abhängt. Alles ist genauso schön oder schrecklich, wie ich es gerade empfinde. Und wenn ich die Augen schließe und tief durchatme und dann die Augen öffne, bemerke ich das die Probleme sich in Luft auflösen oder es gar kein richtiges Problem war. Ich bin nicht erleuchtet, aber ich bin erhellt –zumindest wenn ich mich wieder daran erinnere, bewusst durchs Leben zu gehen.

3. Wie kann man nur so lange sitzen? Tut es nicht unheimlich weh?

Am Strand liegen und ein Buch lesen ist kurzfristig sicherlich ein schönerer Zeitvertreib als mit geradem Rücken auf dem Boden zu sitzen und versuchen zu meditieren. Ich muss gestehen, dass es wirklich kein Vergnügen ist. Der Rücken tut weh, die Beine schlafen ein und oft kommen Gedanken der Müdigkeit und Langeweile auf. Doch sobald das Meditieren wirklich klappt und man somit vollkommen auf seinen Atem fokussiert ist, bemerkt man körperliche Beschwerden nicht mehr und ist losgelöst von ihnen. Das klappt zwar nicht jedes Mal und bedarf viel Übung, aber es gibt kein schöneres und friedlicheres Gefühl als seinen Geist zu spüren und im Gleichgewicht mit seinem Körper und Geist zu sein. Dafür nehme ich auch diese Unannehmlichkeiten gerne auf mich.

4. Kannst du im Alltag Veränderungen bemerken?

Ich muss gestehen, ich habe im Moment keinen wirklichen Alltag. Ich reise gerade durch Südamerika und habe immer einen sehr abwechslungsreichen Tagesablauf. Da ich meist in Hostels in Mehrbettzimmern schlafe, fällt es mir oft schwer regelmäßig zu meditieren. Und ich merke, dass wenn ich es nicht regelmäßig praktiziere, meine Aufmerksamkeit und mein Bewusstsein nachlässt. Außerdem fällt es mir schwer, beim Meditieren die Gedanken loszulassen. Dennoch bemerke ich, dass ich meine Umgebung, Essen, Geräusche, Gefühle bewusster wahrnehme und aktiver lebe. Ich lebe im Hier und Jetzt und sauge alle Details wie Geräusche, Gerüche, Gesichtsausdrücke in mich auf.

 

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