Kurze Haare? Also ich niemals!

In wenigen Monaten nähere ich mich der, für viele furchteinflößenden und erwachsen klingenden Lebenszahl mit der drei vorne.... Aber was ändert sich dadurch? Gar nichts oder ganz viel – je nach dem, was man so möchte.

Viele sehen einen neuen Haarschnitt als Zeichen für eine Veränderung und einen Neuanfang und daher kommt es gar nicht so selten vor, dass man sich mit 30 nicht kopftechnisch, sondern eher haartechnisch verändert. Ich habe das allerdings nie in Betracht gezogen, denn wer mich kennt, weiß: ich habe einen Lockenkopf und ich liebe ihn. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt kurze Haare hatte und verband damit bisher alteingesessene Vorurteile: "das ist maskulin und nur etwas für ältere Menschen!" 

So sah mein Haar vorher aus...

So sah mein Haar vorher aus...

Bis zum gestrigen Tag…

Kurzer Rückblick.. Ich bin seit 16 Monaten in der Welt unterwegs und vor allem in warmen, sonnenreichen und leider auch salzwasserreichen

Ländern. Das dies den Haaren schadet, weiß jeder, der 2 Wochen in Sommerurlaub fährt – also kannst du dir leicht ausmalen wie geschädigt mein Haar bei fast 1.5 Jahren war.

 

Abschneiden?

Trotz des trockenen, stumpfen Runterhängens, habe ich mich gegen den Gedanken gewehrt, dass es wohl das Beste wäre, meine Haare einfach abzuschneiden. Aber wieso haben so viele Frauen große Angst sich von etwas zu lösen, was doch rein theoretisch gesehen tot ist?

Der indische “Guru”

shushanthIch musste mich wohl oder übel damit auseinandersetzen, als mich ein indischer Hairstylist, den ich Amsterdam durch die Plattform Couchsurfing getroffen hatte, darauf ansprach. Er studiert gerade in Amsterdam und hat ein Projekt, in dem er Frauen mit langen Haaren dazu empowert, sich von ihren Haaren zu lösen, um sie für ein Projekt für krebskranke Kinder zu spenden und ihnen damit zu einer Echthaarperücke zu verhelfen. Zudem sieht er das Abschneiden der Haare als eine Befreiung und Loslassen von Negativität und als Zeichen sich vom altbewährten und von der Kosmetikindustrie aufgedrängten Schönheitsideal zu lösen. Überall in der Werbung sieht man Frauen mit langen Haaren und diese langen Haaren brauchen natürlich auch viele Pflegeprodukte...

Die Theorie und die Praxis?

Die Theorie ist einfach, schneide dir dein kaputtes Haar ab und fühle dich wie neugeboren und selbstbewusst . Trotzdem kamen mir die Tränen, als es in die Praxis ging. Dabei hilft auch nicht wirklich die Tatsache, dass die Haare wieder nachwachsen. Ich habe festgestellt, dass meine Haare oft als Schutz oder sogar kleines Versteck dienten und dass ich zudem sehr auf die Meinung von meiner Außenwelt Wert lege. Dabei habe ich doch eigentlich gelernt, dass man sich bedingungslos lieben soll. Doch diese Glaubenssätze schienen in ganz weite Ferne gerückt zu sein, als mein indischer Kumpane mit der Schere anrückte… Als letzter Ausweg musste eben das Schicksal entscheiden – es wurde eine Münze geworfen, die leider bestätigte, was ich unterbewusst schon befürchtet hatte – die Haare mussten ab.

Kurzes Haar = neue Identität?

Einen Tag danach, fühlt es sich leider noch wie Verlust an. Zudem fällt es mir schwer mich mit der Person im Spiegel zu identifizieren. Doch ich sehe Hoffnung – nun kann ich endlich üben und erfahren, was es heisst sich nicht durch seine Haare oder Körper zu identifizieren. Wir sind so viel mehr! Ich werde mich lieben und ich werde meine kurzen Haare lieben!

Also traut euch, fordert euch heraus, liebt euch bedingungslos, egal wie unzufrieden ihr seid mit eurem Aussehen. Lasst uns die Theorie in die Praxis umsetzen!

Die amerikanische Sängerin India Arie hat es ganz richtig gesagt- “I am not my hair
I am not this skin, I am the soul that lives within”

 

 

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